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heft:der_hoellenschlund

Titel: Der Höllenschlund
Autor: Robert Lamont Originaltitel
Reihe:Professor Zamorra Band 57
Titelbild:
Verlag Bastei, Bergisch Gladbach 1976

Der kahle, kleine Raum wurde von zwei Kerzen nur spärlich erhellt. Geisterhaft zuckten die beiden Flämmchen hin und her, schienen sich in einem bestimmten Rhythmus zu wiegen. An einem wurmstichigen Holztisch saß ein Mann. Das schlohweiße Haar hing ihm wirr in die Stirn, die mit winzigen Schweißtröpfchen bedeckt war. Der Mann war alt. In seinem faltigen, runzeligen Gesicht zuckte es. Immer wieder murmelte er einen Namen! „Ethel! Ethel!“ Es war der Name seiner verstorbenen Frau. Dar Alte war in tiefer Trance. „Ethel, Ethel, hörst du mich? Gib mir ein Zeichen, daß du da bist!“ brüllte er plötzlich wie von Sinnen. Ein Zucken durchlief den mageren Körper. Der Mann wurde von einem gewaltigen Schüttelfrost gepackt. „Charles?“ stöhnte er dann gequält auf. Wo bist du, mein Sohn?„ Jäh begann es im Haus zu rumoren. Wie von unsichtbaren Händen wurden Möbel verrückt, Bilder stürzten von den Wänden, Geschirr zersprang. Doch von all dem schien der Greis nichts zu bemerken. „Ethel, Charles!“ raunte er nun ganz leise. Seine Finger hielten einen dicken Filzstift fest umklammert, während er mit den spindeldürren Fingerkuppen seiner anderen Hand ein faltiges, unbeschriebenes Blatt Papier festhielt. „Ethel, gib mir eine Botschaft! Ethel, ich beschwöre dich!“ Er preßte mit aller Kraft den Filzstift auf den Papierbogen. Plötzlich war es ihm, als ob seine Hand von einer eiskalten Klaue umklammert würde und sie stockend über das Papier zog. Der Filzstift hielt in knallroten Lettern die Botschaft aus dem Jenseits fest: Grab mich aus! Der Alte fiel in eine tiefe Ohnmacht.

heft/der_hoellenschlund.txt · Zuletzt geändert: 2018/01/18 18:29 von kinski2003